Interview

Für mehr Sichtbarkeit von trans* Personen – Ein Interview mit Kaey

Im Rahmen der Trans* Awareness Week, welche dieses Jahr im Zeitraum 13. bis 19.11.2020 stattfindet und den Zweck hat, Trans*geschlechtlichkeit sichtbar zu machen, haben wir ein Interview mit Kaey geführt. Geboren und aufgewachsen ist sie in Halle an der Saale. Sie hat Modedesign studiert und ist als Redakteurin beim queeren Berliner Stadtmagazin Siegessäule tätig. Zudem ist Kaey Performerin und Sängerin. Sie bezeichnet sich selbst als trans*Aktivistin und hat beispielsweise schon einen Trans*March in Berlin organisiert.

Laura: Liebe Kaey, vielen Dank dafür, dass du in diesem Interview Rede und Antwort stehst. Erzähl uns zum Einstieg erst einmal einen witzigen Random Fact zu deiner Person.

Kaey: Ich bin Sängerin und kann keine Noten lesen. 🙂

Laura: Um mit Vorurteilen aufzuräumen – welches sind deine Top 3 Vorurteile gegenüber trans* Personen, die NICHT zutreffen?

Kaey: Die Top 3 sind, dass alle trans* Personen eine geschlechtsangleichende Operation wollen würden, wir nicht über unsere Vergangenheit sprechen würden und die Hormontherapie uns launisch machen würde.

Laura: Und gibt es welche, die tatsächlich zutreffen?

Kaey: Wir benutzen niemals unseren früheren Namen. Mehr fällt mir tatsächlich nicht ein.

Laura: Das Singen und Performen sind Tätigkeiten neben deinem Job als Redakteurin bei einem queeren Magazin. Zudem zeigst du dich engagiert als Aktivistin, um für mehr Wahrnehmung von trans* Personen und ihren Belange zu sorgen. Was bedeutet trans*sein für dich persönlich?

Kaey: Es bedeutet, dass ich eine ganz besondere Lebensgeschichte habe. Durch meine Identität habe ich viele Erfahrungen gemacht, die die meisten Menschen nie machen werden. Das kann oft anstrengend sein, aber es macht mich auch besonders.

Laura: Erzähl uns gern von deiner Story – seit wann bist du wissentlich trans*ident? Und seit wann kannst du deine Identität leben?

Kaey: Ich habe mich mit 17 als schwul geoutet, habe mich aber direkt angefangen zu schminken. Für mich war es klar, dass es auch feminine Männer gibt und so habe ich mich eine ganze Zeit lang selbst definiert. Ich habe dann angefangen als Dragqueen zu performen und bin so auch oft ausgegangen. Um meine Bühnenkarriere weiter auszubauen, bin ich nach Berlin gezogen, denn hier gibt es eine große vielfältige Community. Mir ist dann irgendwann bewusst geworden, dass ich die Frau bin, die ich auf der Bühne verkörpere. Es wurde mir also klar, dass ich kein Mann bin, der eine Frau darstellt, sondern, dass ich eine Frau bin. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich als trans* definiert.

Laura: Welche Bedeutung haben Tage wie der Intersex Day of Remembrance am 8. November oder der Gedenktag für die Opfer von Transfeindlichkeit am 20. November – für dich persönlich und gesellschaftlich?

Kaey: Leider bekommen solche Tage gerade in Deutschland viel zu wenig Aufmerksamkeit. Es gibt viele Leute, die gar nicht wissen, dass solche Tage existieren. Ich finde es aber wichtig, um für Sichtbarkeit zu sorgen. Außerdem verdeutlichen sie, dass es noch immer Transphobie auf unserer Welt gibt.

Laura: Hast du persönlich auch negative, transphobische Erfahrungen machen müssen?

Kaey: Ja, das habe ich. Ich wurde schon auf der Straße beleidigt und man hat mir auch Gewalt angedroht. Meine bloße Existenz kann manche Leute sehr provozieren.

Laura: Was darf bzw. sollte sich gesellschaftlich deiner Meinung tun, um mehr Awareness und Akzeptanz gegenüber trans* Personen zu schaffen und derartige Situationen zu vermeiden?

Kaey: Aufklärung finde ich sehr wichtig. Man sollte solche Themen sogar auch schon im Schulstoff mit behandeln. Dann wird es irgendwann zur Normalität. Grundsätzlich gibt es sehr viele Bücher und Filme die man sich heutzutage beschaffen kann.

Laura: Und welche Rahmenbedingungen sollte die Politik schaffen?

Kaey: Es müssen anständige Gesetze her. 2018 wurde das Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben verabschiedet. Dieses ermöglicht intersex* Personen, ihren Geschlechtseintrag zu ändern. Es bot allerdings auch eine Möglichkeit für trans* Menschen mithilfe dieses Gesetzes den Namen und den Geschlechtseintrag zu ändern. Als das bekannt wurde, gab es regelrecht eine Hetzkampagne, die das verhindern sollte. Davon war ich tatsächlich ziemlich schockiert. Das Transsexuellengesetz ist total veraltet und gehört endlich abgeschafft. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum die Regierung der Meinung ist, sie könne den Menschen den Namen und das Geschlecht vorschreiben. Ich finde das sehr übergriffig und die Politik muss daran arbeiten, dass wir schnell Gesetze haben, in denen Selbstbestimmung an oberster Stelle steht.

Laura: Vielen Dank, Kaey. Deinen wichtigen Input nehme ich als Arbeitsauftrag mit und bedanke mich noch einmal ganz herzlich für deine Zeit sowie Bereitschaft.

 

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